Irish Wolfhound als PTBS Assistenzhund

Ein Assistenzhund für PTBS Betroffene war für mich von vornherein ein toller Gedanke. Alle meine Hunde haben mir natürlich geholfen, mit meiner Erkrankung besser zurecht zu kommen. Aber das spezielle Training hat meinen Aktionsradius nicht nur sehr erweitert- ich habe auch zu meiner Hündin ein viel besseres Verhältnis aufbauen können.

Eine ganz besondere Hilfe bot meine Hündin aber von selbst an, indem sie mich weckt, wenn ich im Schlaf einen Alptraum habe. Ich hatte eine sehr ausgeprägte Ein- und Durchschlafstörung. Eigentlich WOLLTE ICH GAR NICHT SCHLAFEN! Ich hatte zu viel Angst vor den Träumen. So habe ich mir antrainiert, nie wirklich tief zu schlafen, damit ich absichtlich wach werden konnte, wenn der wiederkehrende Alp begann. Dadurch entstanden aber natürlich ein dauernder Erschöpfungszustand und eine ständige Übererregbarkeit. Einer der typischen PTBS-Teufelskreise. Klein Ida hat ganz von selbst, und zwar schon als ganz junge Hündin, begonnen, mich zu wecken.  Sie stupst mich dann vorsichtig mit ihrem struppigen Bart an. Danach legt sie sich dicht neben mich, bis ich wieder zur Ruhe komme. Sie darf sonst nicht in mein Bett, schläft immer direkt daneben. Vielleicht wartet sie darum sehnsüchtig auf meinen Alptraum- jedenfalls nutzt sie die Gelegenheit dann sofort. Sie kuschelt sich mit ihren 55kg in ihrer gesamten Länge dicht an mich. Vielleicht ist das eine der größten Hilfen. Meine Angst vor dem Schlafen ist seither praktisch vollkommen verschwunden. Ich kann mich auf meine große Helferin absolut verlassen. Sie weckt mich nie einfach so. Und so kann ich nach Jahrzehnten endlich ganz normal entspannen. Das wirkt sich natürlich positiv auf meinen Allgemeinzustand aus. Auch meine Migräne ist etwas besser geworden. Mit dem professionellen Training konnte ich ihr beibringen, dann das Licht einzuschalten, was auch sehr hilfreich ist.

Meiner Beobachtung nach ist besonders das distanzierte und souveräne Wesen des Irish Wolfhound, auf das ja in der Zucht großen Wert gelegt wird, für Menschen mit Angststörungen eine große Hilfe. Es war nicht schwer, meiner Hündin zu vermitteln, dass es mir hilft, wenn sie sich im Gespräch mit Fremden quer vor mich stellt und so für Distanz sorgt. Da sie von sich aus Fremden gegenüber sehr gelassen ist, überträgt sich ihre Sicherheit auch auf mich. Auch die Übung, in Schlangen vor einer Kasse oder an einem Geldautomaten hinter mir zu sitzen und so den Abstand für mich zu ermöglichen, ist eine große Unterstützung, die ihr sehr leicht zu vermitteln war und die sie zuverlässig selbständig anbietet. Etwas schwieriger zu üben war es, in der Stadt oder auf Bahnhöfen die richtige Begleitform zu erreichen. Das lag zum Teil natürlich daran, dass ich mir selbst nicht ganz im Klaren war, was mir am meisten helfen würde und die Übung von mir natürlich große Selbstbeherrschung verlangte. Ein eng bei Fuß gehender Hund ist zwar eine gute Unterstützung und bei meiner Neigung zu Schwindel auch gut. Aber ich stellte schließlich fest, dass es noch besser ist, die Hündin direkt vor mir zu führen. Wegen ihrer Größe bildet sich dadurch ein Freiraum vor mir, so dass ich einfach mehr Übersicht habe und mich nicht so bedrängt fühle. So ist es ihr auch einfach möglich, wenn jemand trotz der großen Hündin direkt auf mich zukommt, sich quer zu stellen und den Entgegenkommenden zu „blocken“. Das ist selten nötig; die meisten Menschen sehen meine Begleiterin sofort. Aber manchmal ist es schon (z. B. auf dem Bahnhof) nötig gewesen. Wenn es mir trotz der Begleitung durch meine Hündin zu viel wird, und ich merke, dass meine Angst doch wieder aufsteigt, weiß meine Hündin das sofort. Die am meisten als Assistenzhund verwendete Rasse ist wohl der Labrador oder der Golden Retriever. Diese sind aufgrund ihres großen Spieltriebes und ihres sehr freundlichen Aussehens, aber natürlich auch wegen ihrer großen Ausdauer sicher sehr gut geeignet. Für mich ist jedoch die unglaubliche Gelassenheit, mit der meine Hündin selbst bei stundenlangen Zugfahrten neben mir bleibt eine noch wichtigere Eigenschaft. Auch folgende Tatsache ist ein Merkmal, welches ich schon als Wesen des Irish Wolfhound wahrnehme: Sie will nicht jeden Fremden einfach begrüßen, sondern steht still vor, neben oder hinter mir, wie ich es gerade brauche. Begrüßungen Fremder duldet sie selbstverständlich, fordert sie aber nicht ein.

All diese Hilfsleistungen sind natürlich sicher jedem Hund beizubringen der eine gewisse Mindestgröße hat. Ich glaube aber schon, dass sich der Irish Wolfhound wegen seines ruhigen und ausgeglichenen Charakters ganz besonders eignet und daher eigentlich viel häufiger bei Menschen mit einer Angsterkrankung eingesetzt werden sollte.

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Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich bin, meine Irish Wolfhound Hündin als Begleiterin zu haben. Und ich bin der Züchterin, Melanie Faste, und meiner Trainerin Fiona Schäfer, sehr dankbar, weil sie mich die ganze Zeit mit Rat und Hilfe begleiten, und ich dank ihrer Unterstützung in der Lage war, meine Hündin so weit auszubilden.

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